Ich arbeite wieder mal an einem Schreiner-Projekt, diesmal an einem anspruchsvollerem, zumindest für mich. Ein Holzschrank mit einer Bar muss gebaut werden. Eiche ist das Holz der Wahl. Der Aufbau des Möbelstücks ist relativ einfach – eine Kommode im Zentrum, mit 2 Schubladen und 4 Türen, die Bar über der Kommode, und 2 zweitüriche Schränke rechts und links. Da ich den Schrank (wie üblich, mit Hilfe von SketchUp) selbst entworfen habe, habe ich eine für mich zu bewältigende Komplexitätsstufe gewählt. Auch wenn es einfach aussieht, kann man viel falsch machen 🙂 Von der Erfahrung habe ich ja nicht viel. Alternativ, wenn man ein Möbelstück selbst designen möchte, aber nicht selber bauen möchte, kann man einen Schreiner beauftragen. Es gibt auch kreative Firmen, wie stattura.de, die sich selbst als „Schreiner für Designer“ beschreiben.

Wenn die Breite nicht reicht – selbst leimen geht auch.

In diesem Artikel möchte ich das Bau einer Schranktür angehen.

 

Holz

Für alle Fronten (und sichtbare Elemente) haben wir Eiche Massivholzplatten bestellt. Für die Türfüllungen sind die Holzplatten 16mm stark, für Rahmen – 20mm. Für die inneren Teile habe ich im Baumarkt die Leimholzplatten aus Eiche besorgt (die sind günstiger).

Füllungen für Türblätter

Schritt 1: Türfüllung sägen und fräsen

Die Füllungen sind so gesägt, dass jeder Seite 6mm im Türrahmen versteckt ist. Das ist eine klassische Nut-Spund Holzverbindung, wobei der Nut 8mm breit und 7mm tief ist. Beim Fräsen der Füllungen muss man also aufpassen, dass der Spund genau passt.
Bei dem harten Holz und dem Durchmesser vom Fräser (>20mm), ist es mir ab und zu ein Ausreißer passiert. Nachdem Einstellen von niedrigerer Drehzahl an der Fräse ist es besser geworden. Zusätzlich fräste ich die Ränder in zwei Schritten, erst 70%-80% Tiefe, danach – den Rest. Ich denke den Fräser (hat stolze 80€ gekostet) kann ich am Ende wegschmeißen, weil viele Hartholz Meter haben ihm (nach meinem Gefühl) ziemlich zugesetzt.

45° mit Gehrungssaege schneiden

Schritt 2: Türrahmen fräsen und absägen

Das klingt einfach… Das Problem war aber die 45°-Winkel für die Gehrungsverbindung schräg absägen. Viele Methoden habe ich ausprobiert – mit Kreissäge (sie soll 45° können), mit der Einrichtung auf meinem Universaltisch, mit Handsäge… Alles klappte nicht. Die Verbindungen waren nicht genau genug.
Dann hatte ich mich doch nach einer Gehrungssäge umgeschaut. Meine Annahme war, dass die teuer sein müssen. Und sie war falsch 🙂 Für 27€ habe ich die Säge gekauft, die endlich ein sauberes Ergebnis brachte. Es ist eine Handsäge, aber für den Preis kann man ein wenig mehr schwitzen.

 

Tür mit Zwingen spannen

Front der Schublade

Schritt 3: Türrahmen und Füllung Zusammenbauen

Die 4 Rahmenteile habe ich mit Holzdübeln und Holzleim verbunden. Leider, wegen der geringen Rahmenbreite, passten 2 Dübel kaum rein. Das leichte Verdrehen der Teile beim Spannen war die Folge. Ich musste deshalb die Tür zusätzlich an die Tischoberfläche mit Zwingen spannen.
Vor dem Einlegen der Türfüllung in den Rahmen habe ich ein wenig Holzleim in der Nut eingetragen (ich weiß aber nicht, ob das wirklich sein soll).

Schritt 4: Ausreißer und Risse im Holz reparieren und schleifen

Ausreißer können mit Holzkitt repariert werden.

Die fertige Holztüren, noch nicht geölt.

Nachdem der Holzleim getrocknet ist, kann man die Türen schleifen. Nach dem ersten Schliff mit 180-er Körnung sollen die Teile auf eventuelle Risse oder Ausreißer geprüft und wenn nötig repariert werden. Auch wenn es mit Gehrungsverbindung nicht so gut geklappt hat, kann man das mit Holzkitt nachbessern. Dafür verwendete ich die Knetholz Speziallösung MS / 31 CP. Diese wird mit Feinholzstaub gemischt (aus der Schleifmaschine, nach Schleifen mit 180 Körnung und feiner) und aufgetragen. Je kleiner die Risse sind, desto flüssiger sollte das zubereitete Knetholz sein. Das Ding trocknet relativ schnell, daher ist es besser kleinere Mengen vorzubereiten.

Das Trocknen von Knetholz dauert je nach aufgetragene Menge ca. 30-60 min. Jetzt ist das Schleifen mit 240-Körnung-Schleifpapier an der Reihe. Wer mag, kann anschließend noch mit 360-er Körnung schleifen. Ich habe nur die Füllungen mit 360-er Schleifpapier geschliffen, die Rahmen waren mir schon nach dem 240-er Schliff glatt genug.
Die Füllungen habe ich eigentlich vor dem Schritt 3 (der Zusammenbau mit dem Rahmen) geschliffen. So konnten die gefrästen Ränder viel besser geschliffen werden. Nach Verleimen kommt man an den Füllungrand mit einer Schleifmaschine nicht richtig ran.

Es bleibt nur noch das Ölen und die Türen sind fertig.